Nagys Welt ist grenzenlos und ihre Sprache ist die Malerei. Die Grenzen ihrer Sprache bedeuten die Grenzen ihrer Welt und die ist grenzenlos. Fast grenzenlos.

Da sind zuerst die Mal-Aktionen der Erzsebet Nagy SAAR. Wenn man will, die Körpersprache. Da wälzt sich ein Körper in Farben, wird zum Malgrund, zum Kunstobjekt, zum Ausdrucksmittel, zum Objekt der forcierten Betrachtung. Da gibt es keinen Regisseur der Farbe und Form kontrolliert, das macht die Künstlerin oder Aktionistin selbst. Ihre Grenze ist die Selbstkontrolle.

 

Und es ist Selbstüberwindung. Farbe ist auch Beschmutzung des Körpers, anders als die kosmetischen Farben oder Schmuckfarben, die der Konvention entsprechen. Selbst wenn sie so extrem ist wie die Hennamalereien der Berberfrauen oder die Maskenschminke der Tragöden. Farbe ist auch Aggression gegenüber dem Beschauer: Kriegsbemalung. Der Mensch hat einen Reinigungszwang. Nur in Bereichen der Verelendung, der Slums, des Krieges, der Katastrophen toleriert der Mensch Verschmutzung. Und in der antiken Verzweiflung, wenn er sein Gesicht mit Asche beschmutzt. Oder in der Malaktion. Wenn Nagy die klaren Farben – ausschließlich Rot, Gelb, Blau – über sich gießt, sie auf dem Körper vermischt, so ist dies ein Akt der Überwindung des Widerstands gegen Beschmutzung, es ist ein Akt der Selbstüberwindung.

 

Nagys Körper-Mal-Aktionen machen niemanden zum Objekt eines aggressiven Umgangs mit der Farbe, aber sind auch keine Selbstbeschädigungen, wie es Tätowierungen sind. Ihre Arbeiten sind von sehr begrenzter zeitlicher Dauer und Dauerhaftigkeit und bleiben nur in Foto-Sequenzen erhalten. Ihre Performances sind ganz individuelle Gestaltungsvorgänge der Künstlerin an sich selbst, von sich selbst bestimmt: Selbstbestimmung.