Der Anteil an Malerei ist in Nagys Bildern sehr groß.

Die in großer Geste gesetzten abstrakten Pinselmarkierungen verbinden oder trennen die collagierten Bildelemente. Sie gliedern die Bildfläche und wirken auf das Gemüt der Betrachter, auch wenn sie nie ,gemütlich’ sind. Es sind die bekannten Primärreize unserer Kulturbereiche.

 

Rot ist Kraft, Gewalt, Zorn, Liebe. Schwarz verdunkelt sich zur tunneldunklen in die Tiefe führenden Fläche, aus der jederzeit Gefahr kommen kann. Gelb ist gelegentlich sonnig, meist die Warnfarbe der Pestflagge, Weiß ist nicht Freiraum, sondern eine Mauer die sich vor unbekannte Handlungen schiebt, sie vor dem Betrachter verbirgt.

Blau ist mehr ‚blue’ in dieser unübersetzbaren Wortbedeutung als Meer- oder Himmelblau. Es ist Nachtblau, aber in der von Lichtreklamen aufgehellten Künstlichkeit.

 

Selten ist Farbe Zeichnung, wie überhaupt kaum graphisch gestaltetes in den Bildern ist, nur malerisches, flächiges.

Manchen Bildern wie ‚eiskönigin’ entstanden aus einer Decollage. Aus den übrig gebliebenen  Strukturen einer abgerissenen Klebestelle entstand durch wenige verdeutlichende malerische Ergänzungen eine aus eisblauem Nichts aufsteigende Brautgestalt. Ganz im surrealen Sinne eines Max Ernst. In anderen Bildern werden die Strukturen bewusst wellig verklebter Materialien mit Pastellkreisen überarbeitet.

 

Auch die Signatur der Erzsebet Nagy SAAR ist Struktur. Es ist ein gekräuseltes, gekritzeltes Knäuel aus Strichen. Nicht Markenzeichen, nicht Bildbestandteil, sondern unleserlicher Abschluss der Arbeit.  Abschluss und gekritzelter Endpunkt, Signal für die Künstlerin selbst. Aus. Es ist nicht Orientierungspunkt für den Betrachter – hier ist die untere Ecke! – und nicht Wertmarke für den Käufer. Die Signatur, dieses geheime Wort, das den leblosen Golem in Bewegung bringt ist ohne Marketingbedeutung. Es signalisiert nur, dass jetzt ein neues Werk in Angriff genommen werden kann.

 

Wie zum Beweis, dass sie nicht auf den künstlichen photographischen Naturalismus der Pin-up-Fotos für ihre Collagen angewiesen ist, legt Erzsebet Nagy auch Geschicklichkeitsübungen in Photorealismus vor. Hier nimmt sich die Nagy völlig zurück, hat sich und ihren Gestus in der Gewalt, der sich in den Collagen so ausdrucksvoll äußert. Immer sind es Frauenbildnisse, immer sind es nach Fotos in Pastell oder Kohle gezeichnete Arbeiten. In manchen Zeichnungen, in denen die Dargestellte die klassischen Sexposen einnimmt, macht sie sich selbst – meist sind es Selbstporträts – zum Konsumartikel der Voyeure.

 

Aber die Bildende Kunst ist immer ein Objekt für Schauende und das sind Voyeure letztlich auch.

 

Prof. Gerhard Habarta