Erzsebet Nagy Saar (geboren 1974 in Ungarn) ist eine österreichische Malerin, sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien.

 

Sie hat sich Zeit ihres Lebens in mannigfaltigen Milieus und Kulturen bewegt. Ausgehend von der ungarischen Tiefebene, in der sie ihre Jugendjahre verbrachte, verschlug es sie nach Amerika - an die Florida International Universität, und von dort nach Kanada; später lebte sie dann einige Jahre in Asien. Heute wohnt und arbeitet sie in Wien. 

 

Zu Beginn ihrer Berufslaufbahn hatte sie sich für Sprachen und Design interessiert. Sie absolvierte die Ausbildung zur Grafik- und Kommunikationsdesignerin an der Werbeakademie Wien. Doch bald schon entschied sie sich für die Malerei. Die unterschiedlichen Kulturkreise, die ihren Lebensweg geprägt haben, sind die Zutaten ihres Lebens und ihre Inspirationsquelle. 

 

„Ich erlebe das Malen im Erkunden einer sich ständig wandelnden Grenzenlosigkeit. Nichts an unserem Dasein ist statisch oder von Dauer und jedes Bild das sich seinen Weg auf die Leinwand bahnt, bildet nur einen kleinen Ausschnitt jenes unbegrenzten Werkes in mir ab, welches weiterhin im Verborgenen verbleibt. Meine Malarbeiten erschaffen sich als Abbild meiner Innenwelt. Sie entstehen auf Leinwänden die sich über eine Länge von 10 Metern erstrecken, sind gezwungenermaßen reduziert auf 10 Meter. Denn keine noch so große Leinwand könnte meiner inneren Erlebniswelt gerecht werden.

In späterer Folge nehme ich an meinen großflächigen Darstellungen Teilungen vor, das heißt, ich zerschneide den sich präsentierenden Teil meiner Innenwelt, in kleinere, doch weiterhin großformatige Einzelschauen.“

  

Als Malerin drückte sie sich erstmals im Figurativen aus. Mit klar interpretierbaren Darstellungen von Natur und Mensch wurde mit handwerklich präzisen Arbeiten dem Schaffensdrang Genüge getan. Doch dann geschah etwas Bemerkenswertes. Beim Entstehen eines figurativen Sujets veränderte sich die Bildsprache. Das allzu Reale fühlte sich unerwartet unreal an, und nicht nur das, es hatte gar etwas Einengendes. Das direkt Erkennbare wich unversehens zurück - hatte zurückzuweichen. 

Die abstrakte Bildgestaltung erlaubte ein viel weniger eingeschränktes Interpretieren. Die Abstraktion war geradezu eine Befreiung, ein Loslassenkönnen. Nun, was unbedingt der Erwähnung bedarf: In dieser Zeit war in Erzsebets Nachbarwohnung eine Geigenspielerin eingezogen, die fleißig übte. Und so kam es, dass die Klangwolke ihres Violinspiels, Erzsebet zum ständigen Begleiter werden sollte. Über Jahre hinweg umgaben sie die Töne ihrer Künstlerkollegin, mit der sie Tür an Tür wohnte. Und bestimmt beeinflussten diese Klänge von Beginn an ihren Schaffenswandel. Zuallererst auf eine nicht bewusste Weise, doch ohne Zweifel bahnte sich die Dynamik der Klänge einen Weg in ihre Arbeiten und erzeugte so ein fundamentales Bedürfnis nach Grenzenlosigkeit. Damals setzte die Wendung ein, die alsbald zur bewussten Erkenntnis führte – nämlich, dass es an der Zeit war, sich nunmehr der abstrakten Malerei zuzuwenden.

Rückblickend betrachtet steht außer Frage, Hirokas (so der Name ihrer Nachbarin) Klänge waren es, die den Anstoß dazu gaben, Erzsebets Schaffensprozess grundlegend  zu verändern.

 

Die Künstlerin, die sich die handwerkliche Fertigkeit ihres Kunstschaffens als Autodidaktin aneignete, nahm in den letzten Jahren an Einzel- und Gruppenausstellungen in Österreich, Schweiz , USA und Japan teil. 

 

© Gerald Lehr 2019