Ich bin in der ungarischen Tiefebene aufgewachsen und bis zu meinen Jugendjahren lebte ich in einer Welt, die von kommerzieller Einflussnahme durch Werbung und Marketing verschont wurde, doch wo andererseits die repressiven Auswüchse, des diesen Freiraum kompensierenden Regimes, nicht in vollem Umfang zum Tragen kamen.

Wie fast die gesamte Generation der ‚Wendekinder’, war auch ich geblendet von all den Genüssen und Verlockungen der im Westen vorherrschenden, reizüberfluteten Welt. Vielleicht war es gerade meine ursprüngliche Ausgangslage, die mich bis heute eine Weltsicht bewahren hat lassen können, ohne einer Totalvereinnahmung durch Konsumverhalten und Gruppenzwang zu verfallen.

Als zeitgenössische Künstlerin finden Themen meiner Selbstreflexion und einer akzentuierten Sicht auf Erlebtes in meinem Schaffen Ausdruck. Meine Werke sind Erzählungen, eine Art visualisierter Dialog.

Ich erlebe das Malen im Erkunden einer sich ständig wandelnden Grenzenlosigkeit. Nichts an unserem Dasein ist statisch oder von Dauer und jedes Bild das sich seinen Weg auf die Leinwand bahnt, bildet nur einen kleinen Ausschnitt jenes unbegrenzten Werkes in mir ab, welches weiterhin im Verborgenen verbleibt. Meine Malarbeiten erschaffen sich als Abbild meiner Innenwelt. Sie entstehen auf Leinwänden die sich über eine Länge von 10 Metern erstrecken, sind gezwungenermaßen reduziert auf 10 Meter. Denn keine noch so große Leinwand könnte meiner inneren Erlebniswelt gerecht werden.

In späterer Folge nehme ich an meinen großflächigen Darstellungen Teilungen vor, das heißt, ich zerschneide den sich präsentierenden Teil meiner Innenwelt, in kleinere, doch weiterhin großformatige Einzelschauen.

Ich empfinde alles Wahrgenommene immer nur als Teilstück eines großen Ganzen, dessen direkte Erlebbarkeit seiner Einzelteile sich nur im Loslassen unserer gewohnten Bezugspunkte offenbart.

Doch ist mein Maß die Grenzenlosigkeit. Sie selbst darzustellen bleibt unerreichbar. Jedoch soll in jeder meiner Darstellungen jenes allumfassende (grenzenlose) Bild mitempfunden werden können. Diesem Drang untersteht mein künstlerisches Wirken und ihm entspringen gleichsam meine vielschichtigen Tiefendarstellungen.

 

© Erzsebet Nagy Saar 2019