INSIDE OUT

 

Erzsebet Nagy SAAR schichtet Tiefendarstellungen ineinander. Sie entziehen sich der Fläche, dem rational Fassbaren, dem Bezugspunkt. Dem gegenüber steht das vertraute Wirkungsfeld des Betrachters – definierbar und konkret. In diesem Spannungsfeld gestaltentbehrender Tiefen einerseits, und gleichwohl dem haltsuchenden Auge des Betrachters, entsteht eine sogwirkende Begehung von Nagys Tiefenwelten.

Ihre neuen Werke entledigen sich des Profanen. Sie lassen im Publikum unweigerlich raumlose Tiefenwirkungen entstehen; im Weglassen jeglicher Anspielung auf die Begrifflichkeiten des Daseins wird der Betrachter erstmals auf sich selbst gestellt.

 

Schicht um Schicht führt sie uns weit unter die Oberfläche des Augenscheinlichen. Die Künstlerin zelebriert nicht etwa eine schnöde Exaltiertheit und nichts an ihrer inneren Ausdrucksfreude präsentiert sich konstruiert oder bemüht. Ihre Innenwelt findet sich zwar in einer opulenten Nuancierung und Farbzusammenstellung wider, doch ist der Schaffensprozess sich selbst überlassen gewesen - die Suche nach Ausdruck fand sich im Finden selbst.

 

Die Künstlerin, ihres Zeichens Mittlerin ihrer Innenwelt, gewährt uns erstaunliche Einblicke. Wir, finden uns im Nachhinein selber als Teil ihres Schaffens. Denn letztlich sind wir es, die die Oberfläche des Allgegenwärtigen zu verlassen haben, um in ihren Bildern unseren eigenen Tiefen zu begegnen. Kunstwerk und Betrachter stehen einander gegenüber, doch Nagys Werke fordern uns auf, dieser Dualität für einen Moment zu entsagen. Denn erst im Loslassen unserer gewohnten Bezugspunkte offenbart sich uns die Erlebbarkeit ihrer vielschichtigen Tiefendarstellungen.

Hat die Künstlerin es eigens darauf angelegt? Nein, denn ihre Werke erschaffen sich als authentisches Abbild ihrer Innenwelt, um sich dem Kunstinteressierten zur Erkundung zu überlassen. Doch beim Versuch sie zu erschließen ermöglichen sie ihm unweigerlich sein eigenes Innere zu spiegeln.

 

Dergestalt widerfahren dem Betrachter Erzsebet Nagy SAARs neue Werke augenscheinlich im gemeinsamen Erleben ihrer Kunst.

 

© Gerald Lehr 2018